Bern, 2. September 2026. Der vergangene August markiert den Endpunkt einer ausserordentlichen Hitzeperiode: Der Sommer 2026 ist der heisseste Sommer seit Messbeginn und überholt den bisherigen Rekordsommer 2003. Obwohl der August 2026 im Vergleich zu den vorangehenden Monaten Juni und Juli etwas gemässigter erschien, lag die landesweit gemittelte Monatstemperatur mit 17.8 Grad Celsius um 3.5 °C über der Referenzperiode 1991-2020. Der August 2026 belegt damit den 2. Rang seit Messbeginn 1864. Der Mittelwert der Messstationen der Smart Urban Heat Map lag im August 2026 mit 23.4 Grad Celsius deutlich höher. Der heisseste Tag im vergangenen Monat war der 14. August mit Temperaturen zwischen 37 und 38.5 Grad Celsius (BernExpo).
Der August 2026 begann schwülheiss mit Temperaturen verbreitet über 30 °C. Die extreme Trockenheit führte im Stadtbereich und auf dem Land zu vielen verdorrten Wiesen: Die Liegewiese im Marzili erinnerte mit ihren braungelben Tönen eher an eine Steppe denn an eine grüne Oase. Periodische Schauer und Gewitter führten im vergangenen August immerhin zu einer leichten Normalisierung: So entsprach die gemessene Niederschlagsmenge bei der Station Zollikofen von MeteoSchweiz mit einer Monatssumme von 112 mm ziemlich genau dem langjährigen Mittel.
Ab dem 17. August beendeten Gewitter und Schauer die Hitzephase – die Temperaturen sanken in Stadt und Region Bern verbreitet auf plus / minus 20 °C. Danach herrschte ein Mix aus Sonne und Regen. Den letzten Hitzetag gab’s am Donnerstag, 27. August: Trotz Saharastaub und Schleierwolken stiegen die Temperaturen noch einmal verbreitet über 30 °C, danach war vorläufig Schluss mit Sommerhitze.
Die Ergebnisse der Klimaanalyse für den August 2026:
Hitzetage: Die Smart Urban Heat Map verzeichnete im August 2026 an den wärmsten Standorten 20 bis 21 Hitzetage mit Temperaturen über 30 °C, dies entspricht einer Zunahme von 41.4% gegenüber dem Vorjahr (13 bis 14 Hitzetage). Den Rekord hielten die Messstationen Vordere Länggasse, Ittigen Papiermühle und Bern Dalmaziquai mit je 21 Hitzetagen. Die übrigen Messstationen in Stadt und Region Bern notierten verbreitet zwischen 17 und 19 Hitzetage. Mit sieben Hitzetagen verzeichnete die Station Gurten Kulm den tiefsten Wert.

Aare: Die Aare erreichte am 14. August um 16 Uhr 30 mit 24 °C den höchsten Wert, den ganzen Monat hindurch lagen die Wassertemperaturen meist über 20 °C. Das Monatsmittel lag im August 2026 bei 21.6 °C, ganze 2.3 °C über dem Vorjahr und 3.6 °C über dem langjährigen Mittel der Jahre 1991 bis 2020. Periodische Niederschläge kühlten die Aare aber immer wieder ab. Die anhaltende Sommertrockenheit hatte grossen Einfluss auf die hydrologischen Verhältnisse: Der durchschnittliche Abfluss lag im August 2026 mit 135 m3/s noch einmal tiefer als im Vorjahr (158 m3/s) und deutlich unter dem langjährigen Mittel der Jahre 1991 bis 2020 (190 m3/s).
Durchschnittstemperatur: Über den ganzen August hinweg gehörten die Messstationen BernExpo, Ittigen Papiermühle und Eigerplatz mit mittleren Temperaturen zwischen 24.2 °C und 25.1 °C zu den wärmsten Standorten. Zum Vergleich: im gleichen Monat des Vorjahres verzeichneten die wärmsten Stationen zwischen 21.4 und 21.6 °C. Vergleichsweise kühl erwiesen sich Köniz Bläuacker, Gurten Kulm und Niederwangen Taubentränke mit mittleren Temperaturen zwischen 21.9 und 22.2 °C.
Beim Wärmeinseleffekt, d.h. beim Vergleich des vergleichsweise kühlen Messtandorts Zollikofen mit urbanen Hotspots, die aufgrund dichter Bebauung, Versiegelung und fehlender Vegetation in der Regel deutlich wärmer sind, zeigt sich folgendes Bild: Die durchschnittliche Abweichung der Messstandorte BernExpo, Ittigen Papiermühle, Vordere Länggasse, Lorrainepark und Helvetiaplatz lag je nach Tageszeit zwischen 0.5 und 3 °C, wobei sich die grössten Unterschiede zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens zeigten, zurückzuführen auf die gespeicherte Wärme der gebauten Umwelt.

Der Vergleich der Messstation Gurten Kulm mit der Messstation Zollikofen zeigt, dass die höhere Lage tagsüber zu tieferen Temperaturen führt. In der Nacht verkehrt sich dieser Effekt, weil die Kaltluft nach unten abfliesst, auf dem Gurten deshalb eine höhere Nachthitze und mehr Tropennächte resultieren.
Tropennächte: Das Messnetz verzeichnete im August bei der Station BernExpo 16 Tropennächte (TN), gefolgt von Eigerplatz (13 TN), Hirschengraben (12 TN), Emch+Berger (12 TN) und Gurten Kulm (11 TN), in denen die Temperaturen nicht unter 20 °C lagen. Die durchschnittlichen Einschlaftemperaturen in Stadt und Region Bern lagen zwischen 20.4 (Köniz Gartenstadt) und 23.8 °C (Zytglogge), was als ernsthaftes Gesundheitsrisiko für ältere und chronisch kranke Menschen gewertet werden kann.

Ozon: Im August wurde der Stundenmittel-Grenzwert von 120 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft insgesamt 113 mal überschritten, dies an 16 von 31 Tagen. Der Maximalwert lag am 12. August bei 171.3 µg/m³. Eine hohe Ozonkonzentration reizt Augen und Atemwege, verringert die Lungenfunktion und ist besonders gefährlich für Kinder, Asthmabetroffene und ältere Menschen.

Fazit: Der vergangene August 2026 markiert den Endpunkt einer ausserordentlichen Hitzeperiode: Der Sommer 2026 ist der heisseste Sommer seit Messbeginn und überholt den bisherigen Rekordsommer 2003.
In Stadt und Region Bern verzeichneten die Messstationen der Smart Urban Heat Map absolute Rekordwerte:
- Mit 62 Hitzetagen (Messstation Vordere Länggasse) und 37 Tropennächten (BernExpo) klettert die Hitze in Stadt und Region Bern auf ein neues Rekordniveau
- Die gemessene Mitteltemperatur von 22.3 °C erreicht im Sommer 2026 eine neue Höchstmarke
- Damit erreicht die Hitze bereits in diesem Sommer die prognostizierten Werte des Berichts «Klimazukunft Schweiz» (Klima CH2025) in einer Drei-Grad-Welt (Worst-Case-Szenario)
- Die ausserordentliche Trockenheit führte im Sommer 2026 zu verdorrten Bäumen und Wiesen und verstärkte die extreme Hitze (Wegfall von Verdunstungskühle)
Der Sommer 2026 steht für eine besorgniserregende Entwicklung, die sich in Zukunft verstärken dürfte: Klimaexpertinnen und -experten rechnen mit einer weiteren Zunahme von Hitzeperioden und Sommertrockenheit.
Behörden auf allen politischen Ebenen sind gefordert, sowohl Klimaschutz- wie Klimaanpassungsmassnahmen voranzutreiben.
Die Exekutiven und Planungsverantwortlichen in Stadt und Region Bern müssen verstärkt klimaresiliente Areale und Plätze nach dem Schwammstadtprinzip realisieren. Sie stehen zudem in der Pflicht, die Bevölkerung vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitzetagen und Tropennächten zu schützen – besonders ältere und chronisch kranke Menschen sowie armutsbetroffene Personen in schwierigen Wohnverhältnissen. Der Smart City Verein Bern wird sich in Zukunft verstärkt dafür einsetzen, dass sich Gemeinden, Region und Kanton Bern besser vernetzen, um die Klimaherausforderung gemeinsam anzugehen.
Quellen: Smart Urban Heat Map, MeteoSchweiz (Messstation Zollikofen), Stadtlabor (Ozonbelastung) und Bundesamt für Umwelt (Hydrologische Daten, Standort Bern Schönau)
Link zur Klimaplattform: stadthitze.be
Die Smart Urban Heat Map ist ein öffentlich zugängliches Online-Messnetz zur Visualisierung der Stadthitze in Stadt und Region Bern. Es umfasst 51 Messstandorte, zehn davon werden freundlicherweise durch das Geographische Institut der Universität Bern zur Verfügung gestellt. Von den 51 Messstandorten liessen sich für den August 2026 leider nur 33 auswerten, da 35% der installierten Sensoren ausfielen und nicht ersetzt werden konnten. Die Plattform ist für Mobilgeräte optimiert, d.h. Nutzerinnen und Nutzer können mit ihren Smartphones den nächstgelegenen Sensorstandort aufrufen und erfahren so die aktuelle Temperatur und Luftfeuchtigkeit in ihrer unmittelbaren Nähe. Das Messnetz folgt dem Open-Data-Prinzip: Alle Interessierten können die Klimadaten über eine dokumentierte Schnittstelle (API) herunterladen und auswerten.
